BORRELIOSE - was ist das für eine neue Erfindung?

Patientin Anna M. fragt:

Man hört zunehmend von der Gefahr, die von Zecken ausgeht. Die Borreliose soll schlimme Langzeitauswirkungen auf die Nerven, Gelenke und Knochen haben. Auch für viele Schmerzen soll diese Krankheit verantwortlich sein. Ich habe schon Angst, die Enkel in  den Wald mitzunehmen. In meiner Jugend gab es das nicht. Was für eine neue Erfindung  ist die Borreliose?

Dr. Bringmann antwortet:

Borreliose ist eine Infektion mit Borrelien, gramnegativen, wendelförmigen Bakterien aus der Gruppe der Spirochäten. Es gibt drei verschiedene Arten von Borrelien, die diese chronische Infektion auslösen können und zwar Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii und Borrelia avzilii. Diese Spirochäten begleiten die Menschheit seit Tausenden von Jahren. Sogar im Gewebe von Ötzi wurden Spuren von Borrelia gefunden.

Borreliose als Infektionskrankheit ist erst seit kurzem bekannt....

Im Jahre 1975 in der Ortschaft Lyme, Connecticut, wurde eine erste große Borrelienepidemie beobachtet. Nach dem gehäuften Auftreten der Gelenkentzündungen in der Bevölkerung wurde zum ersten mal eine Verbindung zwischen dem Krankheitsbild und den bis dato unscheinbaren Spirochäten gestellt. Diese „neue“ Art der Bakterien wurden nach dem französischen Mikrobiologen Amédée Borrel benannt. Dem Arzt Willy Burgdorfer gelang es erst 1982 diese Bakterien in den Zecken nachzuweisen. Diesem Wissenschaftler zur Ehre wurden diese Bakterien Borrelia burgdorferi genannt. Die infektöse Krankheit erhielt dann den Namen von dem Ort der ersten Epidemie. Sie wird als „Lyme-disease“ oder Lyme-Borreliose bezeichnet. 

Warum gab es früher keine Borrelienepidemien und diese Gefahr erst seit kurzem besteht?

Die Wissenschaftler wissen heute, dass die Lyme-Spirochäten schon lange Zeit um uns herum leben. Sie gehen davon aus, dass erst vor 30-40 Jahren etwas geschah, das die Borrellien aggressiver machte. Ein Auslöser für diese plötzliche Virulenz könnte möglicherweise das massive Auftreten elektromagnetischer Strahlung ( Sendemasten für Mobiltelefone oder  der Gebrauch der Mikrowelle) sein.  Es könnte auch ein Zusammenhang mit der globalen  Erd-Erwärmung bestehen . 

Borreliose steht im Verdacht als „Ursache“ vieler chronischer Krankheiten

Es besteht ein begründeter Verdacht, dass einige chronische Infektionen die Ursachen  einiger chronischen Krankheiten sind. Bei der Borreliose können das Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, amyotrophische Lateralsklerose ALS, Gelenkarthritis, Autismus, Sarkoidose, Fibromyalgie oder das chronische Erschöpfungssyndrom CFS sein. Sogar viele Krebs- und Psychischkranke sind mit Borrelia burgdorferi infiziert. Auch Störungen des Immunsystems, wie Autoimmunerkrankungen  z.B.: rheumatoide Artritis können ein Ausdruck der Lyme-Infektion darstellen. Es ist allerdings noch unklar, ob Borrelia direkt die Entstehung dieser Krankheiten verursacht oder ob es sich nur um eine opportunistische Infektion handelt, die das Immunsystem schwächt und dadurch die sekundären Leiden begünstigt.

Es wird behauptet, dass Borrelia nur durch Zecken übertragen werden,

aber die Wahrheit ist, dass auch Mücken, Spinnen, Flöhe, Läuse und Milben ebenfalls in der Lage sind, sich mit diesen Bakterien zu infizieren. Nur die Durchseuchung bei den Zecken ist wesentlich höher als bei den anderen Insekten. Es gibt rund 800 Arten von Zecken und der Ixodes ricinus (der „gemeine Holzbock“) ist die am häufigsten vorkommende Zeckenart in Mitteleuropa. Zecken sind von März bis Oktober aktiv und stellen heute eine reale Gefahr für die Bevölkerung dar. 

Zecken lassen sich nicht von den Bäumen auf die Opfer fallen !

Zecken halten sich in Gräsern, Krautpflanzen und Sträuchern an den Wegrändern auf. Sie sind besonders bei feuchter Witterung aktiv. Bei warmen und trockenen Wetter ziehen sie sich eher zurück. Nicht alle Zecken sind auch infiziert. Es gibt bei der Durchseuchung der Zecken mit Borrelia burgdorferi ein Nord-Süd-Gefälle. Sie beträgt in Norddeutschland zwischen 6% und 10%. In Mittel- und Süddeutschland steigt sie auf 20% bis 30% und punktuell im Schwarzwald sogar bis auf 50% ! 

Durch  Zecken werden nicht nur Borrelia übertragen,

sondern auch FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Hierbei handelt es sich um eine virale Infektion, die sich durch Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung manifestiert und  tödlich ausgehen kann. Die Viren werden durch den Speichel der Zecke übertragen, während die Borrelia-Bakterien im Darm der Zecke leben und mit den Ausscheidungen in den Körper des Opfers gelangen. Daher soll man die Zecke so schnell wie möglich entfernen.

Bei der Entfernung der Zecke muss man aufpassen

diese nicht zu zerquetschen, solange sie noch in der Wunde ist. Man sollte hierzu eine Zecken-Zange verwenden und die Zecke direkt am „Stechapparat“ anpacken und sie vorsichtig herausziehen. Danach sollte die „Stichstelle“ dauerhaft über mehrere Tage  beobachtet werden. Kommt es zu einer kreisförmigen Rötung, einem Geschwür oder grippe-ähnlichen Symptomen, so sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Eine antibiotische Behandlung hat in der ersten Phase der Infektion die besten Aussichten auf Erfolg. Leider kommt es zu den für eine Borreliose typischen Erstsymptomen nicht immer und die Borreliose geht dann unbemerkt in „Phase zwei“  über.

Borreliose ist ein Chamäleon, 

eine multisystemische Krankheit mit vielen möglichen Symptomen

Über die Diagnostik der Borreliose und die mögliche Symptomatik lesen Sie in meiner nächsten Publikation

BORRELIOSE - wann weiß ich, ob ich sie habe?

Literatur

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